Kaiserjass
VariantenHistorischFortgeschritten
Definition: Der Kaiserjass (auch Karnöffelspiel oder Karniffelspiel genannt) zählt zu den ältesten überlieferten Kartenspielen im deutschsprachigen Raum und unterscheidet sich fundamental von den gängigen Jassvarianten.
Besonderheiten:
- Die Spielregeln weichen vollkommen von den bekannten Jass-Varianten ab
- Ähnelt eher einem Strategiespiel wie Schach als einem klassischen Kartenspiel
- Erlaubt offizielle Kommunikation zwischen Partnern durch definierte Gesten (das sogenannte "Deuten")
- Nur die vorab auf die Tafel geschriebenen Punkte zählen am Ende
Gestenkommunikation ("Chaiseren"):
- Augenzwinkern, Achselzucken und Nasenrümpfen sind erlaubte Zeichen
- Partner teilen sich durch diese Gesten Informationen über ihre Karten mit
- Das "Deuten" vor einer Runde ist ebenso wichtig wie das eigentliche Spiel
- Diese Form der Kommunikation ist bei anderen Jassvarianten verboten
Spezielle Karten:
- Jede Karte hat eine spezifische, eigenständige Funktion
- Die Kartenhierarchie unterscheidet sich stark vom Standard-Jass
- Beispiele für Kartenbezeichnungen: "Mugg", "Jos", "Füfi"
Geschichtlicher Hintergrund:
- Entstanden im 15. Jahrhundert, vermutlich durch italienische Söldner verbreitet
- War ursprünglich in Deutschland, dem Elsass und der Schweiz bekannt
- Heute nur noch in Norddeutschland und der katholischen Innerschweiz verbreitet
- Der Begriff "Karnöffel" galt als Schimpfwort für einen groben Gesellen
- Wurde von der Obrigkeit kritisch gesehen und mehrfach verboten
Regionale Bedeutung:
- In Nidwalden besonders lebendig und wird aktiv gepflegt
- Der Historische Verein Nidwalden führt jährliche Meisterschaften durch
- Regelmässige Anfängerkurse zum Erlernen des komplexen Spiels
- Private Jahresmeisterschaft über vier Spielabende
Lernschwierigkeit:
- Sehr hoher Schwierigkeitsgrad, erfordert viel Zeit und Geduld
- Anfängern wird empfohlen, zuerst die Kartenhierarchie auswendig zu lernen
- Die Komplexität führt dazu, dass immer weniger Spieler das Spiel beherrschen
Kulturerbe:
- Zählt zu den traditionellen Kartenspielen der Innerschweiz
- Wird in der Datenbank "Lebendige Traditionen" dokumentiert (NM 11001)
- Ältere Kartensujets zeigen oft gesellschaftskritische Darstellungen
- Der "Under" (als Bauer dargestellt) kann den König stechen - ein symbolischer Standesunterschied
Häufige Fragen zu Kaiserjass
Der Kaiserjass (auch Karnöffelspiel) ist eines der ältesten Kartenspiele im deutschsprachigen Raum und unterscheidet sich grundlegend von den üblichen Jassvarianten. Er ähnelt eher einem Strategiespiel wie Schach.
Chaiseren bezeichnet das Kaiserjass-Spiel in Nidwalden, bei dem die Kommunikation zwischen Partnern durch definierte Gesten wie Augenzwinkern, Achselzucken oder Nasenrümpfen erlaubt ist.
Der Kaiserjass wird heute hauptsächlich in der katholischen Innerschweiz (besonders Nidwalden) und in Teilen Norddeutschlands gespielt.
Jede Karte hat eine spezifische Funktion und die Kartenhierarchie unterscheidet sich stark vom Standard-Jass. Zudem muss man das 'Deuten' (Gestenkommunikation) beherrschen. Es erfordert viel Zeit und Übung.
Beim Kaiserjass zählen nur die Punkte, die vorab auf die Tafel geschrieben werden. Das 'Deuten' (die Vorbereitung) ist daher ebenso wichtig wie das eigentliche Ausspielen.
Der Begriff 'Karnöffel' scheint ein Schimpfwort für einen groben Gesellen gewesen zu sein und wurde auch als Spottwort für ungeliebte Kardinäle verwendet. Die genaue Wortbedeutung ist nicht eindeutig geklärt.
Das Spiel war bei der Obrigkeit unbeliebt, da oft um Hab und Gut gespielt wurde und die Kartendarstellungen gesellschaftskritisch waren (z.B. der Bauer, der den König stechen kann).
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Quellen
- Kaiserjassen - Objekte aus der Sammlung(museum)Abgerufen: 2026-01-30
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